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Wo ist unsere Unbeschwertheit geblieben? đź’­

12. Juni 2026

Ich saß vor kurzem in Bregenz und habe einfach mal die Menschen beobachtet. Alle waren sie da. Egal ob topmodern gekleidet oder im schlichten Alltags-Look, egal ob geschminkt oder ganz natürlich. Ich sah Familien, Teenager, frischgebackene Eltern mit Kinderwagen und Pensionierte. Menschen jeder Nation, jeder Religion, jeder Hautfarbe und jeder Kleidergröße. Egal ob mit Freunden unterwegs, als Single oder mit der ganzen Familie – die wunderschöne, bunte Vielfalt des Lebens zog an mir vorbei.

Und doch fiel mir eines ganz schmerzhaft auf: Es wird kaum noch miteinander gesprochen. Das Einzige, was oft zu hören war, war ein diffuses Nebengeräusch. Es wird so unendlich wenig gelacht, kaum jemand lächelt noch oder schmunzelt vor sich hin, oder auch das lachen miteinander. Das echte, unbeschwerte Gesicht der Menschen sieht man fast nur noch in einem einzigen Moment: Wenn das Smartphone gezückt und ein Selfie gemacht wird. Sobald die Kamera wieder aus ist, erlischt auch das Lächeln.

Die Frage nach der verlorenen Zeit

Beim Beobachten kamen mir unweigerlich Fragen in den Kopf, die mich seither nicht mehr loslassen:

Wo ist die unbeschwerte Zeit geblieben?
Und wo ist das echte Kennenlernen auf Festen geblieben?
Wenn ich an früher zurückdenke: Wenn man sich mit Freunden traf – egal auf welcher Veranstaltung, beim Ausgehen oder bei den Fahrgeschäften –, hat man sich einfach amüsiert. Auch wenn das Geld vielleicht mal knapp war und wir nicht mit allem fahren konnten, stand das nie im Vordergrund.
Wir trafen uns einfach und hatten SpaĂź miteinander mit einem ehrlichen, herzlichen Lachen.

Ich glaube nicht einmal, dass heute nur die Handys die Schuld daran tragen. Es ist das Ungezwungene, das fehlt. Man hat das Gefühl, heute muss alles perfekt sein – ein ständiges „Muss“ für die Kinder oder auch für sich selbst. Unsere Eltern gingen damals auch mal ohne uns Kinder feiern, um eine gute Zeit zu haben – ganz ohne schlechtes Gewissen. Und wenn wir als Familie unterwegs waren, saßen die Eltern gemütlich auf den Bierbänken, während wir Kinder unbeschwert umhersprangen. Wir wussten genau, wohin wir gehörten, und genossen die Freiheit. Als Teenager waren wir dann erst so ab 14 oder 15 Jahren richtig alleine unterwegs – ein Alter, das eigentlich genau wie heute sein sollte.

Gefangen in kleinen Inseln

Heute ist das Bild ein völlig anderes. Man sieht fast überall nur noch die eigenen, kleinen Familien, Paare oder geschlossene Grüppchen. Jeder bleibt für sich auf seiner eigenen kleinen Insel. Man traut sich gar nicht mehr, sich einfach dazuzusetzen. Und wenn sich doch mal jemand dazusetzt, wird oft nicht mal mehr gefragt, geschweige denn ein Wort miteinander gesprochen.

Es ist unheimlich schade, dass alles so anonym und unpersönlich geworden ist. Wir sind alle digital so erreichbar und wirken in der echten Welt doch oft so isoliert.

„Ich fürchte den Tag, an dem die Technologie unsere Menschlichkeit übertrifft. Die Welt wird eine Generation von Idioten haben.“
– Albert Einstein

Auch wenn das Wort hart klingt, beschreibt es doch genau die Blindheit fĂĽr das GegenĂĽber, die man heute ĂĽberall auf den StraĂźen sieht. Wir verpassen das echte Leben, das direkt vor unseren Augen stattfindet. Schon der Philosoph Arthur Schopenhauer erkannte im 19. Jahrhundert, was uns wirklich glĂĽcklich macht:
„Es ist kein fehlendes Gut so schmerzhaft wie das Entbehren der Unbeschwertheit.“

Wenn das Smartphone das Einzige ist, was uns ein Lächeln entlockt, haben wir etwas Kostbares verloren. Lassen wir das Handy doch öfter mal in der Tasche, brechen wir aus unseren geschlossenen Grüppchen aus und schauen uns wieder richtig an. Lächeln wir Fremden zu, sprechen wir miteinander und bringen wir das ehrliche, ungezwungene Lachen zurück in unseren Alltag – ganz ohne Filter.

Denn am Ende sind es doch nicht die Likes auf einem Bildschirm, die unser Leben reich machen, sondern die Momente, in denen wir gemeinsam lachen, bis uns der Bauch wehtut. Fangen wir heute wieder damit an – mit einem echten Lächeln für den Menschen, der uns als Nächstes begegnet. 🥰🌱

Auf die unbeschwerten Momente,

bodenseeeoffline gehenpersönliche gedankenunbeschwertheit
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